Jüdische Friedhöfe in Bayern als kulturelles Erbe
Von Einzelbesuchern - sichtbar an den auf den Grabsteinen zum Gedenken abgelegten kleinen Steinen - und Gruppenführungen abgesehen, führt der jüdische Friedhof an der Gießereistraße in Neumarkt ein ruhiges Dasein.Aus gutem Grund ist das Türchen immer zugesperrt, aber gerade jetzt könnte er ein Platz der Besinnung sein, auch der Erinnerung an die hier Begrabenen und ein Nachdenken über eine Welt, in der nicht Vertreibung und Shoa dem jüdischen Teil der Neumarkter Bevölkerung ein brutales Ende bereitet hätten.
Heute ist der seit 1950 nicht mehr genutzte Friedhof ein Mahnmal und ganz besonderes kulturgeschichtliches Denkmal, das Susanne Klemm als Expertin für jüdische Friedhöfe in Bayern im Gesamtzusammenhang erläutern wird. Anschließend wird Stefanie Radschinsky ausgewählten Lebensläufen der auf dem Friedhof Begrabenen und deren familiären Verflechtungen nachspüren. In zeitintensiver detektivischer Kleinarbeit rekonstruierte sie verlorene und weitgehend vergessene Familiengeschichten, die weit über die Stadtgrenzen hinausreichen.
Das Projekt STOLPERSTEINE des Künstlers Gunter Demnig ist ein Kunstprojekt, das die Erinnerung an die Opfer des nationalsozialistischen Terrors lebendig erhält. Der Künstler Demnig verlegt vor der letzten selbstgewählten Wohnung dieser Menschen Gedenksteine, die auf einer Oberfläche aus Messing Name und Lebensdaten tragen. Inzwischen liegen über 100000 STOLPERSTEINE in 30 Ländern.
Altwerden ist gestaltbares Schicksal. Es hängt auch von uns ab, ob das Alter für uns nur ein Anhängsel zum bisherigen Leben ist, oder ob ihm der gleiche Wert und gleiche Bedeutung zugesprochen wird wie die Zeit davor. Das gelingt uns am besten, wenn wir im Alter immer mehr unser Leben vom Ende her betrachten. Wir sind dann darauf bedacht, dass unser Leben ganz voll-endet wird. 