Von der Kunst des Altwerdens

Altwerden ist gestaltbares Schicksal. Es hängt auch von uns ab, ob das Alter für uns nur ein Anhängsel zum bisherigen Leben ist, oder ob ihm der gleiche Wert und gleiche Bedeutung zugesprochen wird wie die Zeit davor. Das gelingt uns am besten, wenn wir im Alter immer mehr unser Leben vom Ende her betrachten. Wir sind dann darauf bedacht, dass unser Leben ganz voll-endet wird.
Wir weichen der Konfrontation mit unserer Endlichkeit nicht aus und würdigen die Kostbarkeit unseres Lebens umso mehr. Wir haben jetzt die Chance, bewusster, authentischer, entschiedener zu leben und endlich unser Lied zu singen. Wir sorgen dafür, dass wir über ein tragfähiges Beziehungsnetz von tiefen, innigen Beziehungen verfügen und setzen uns bewusst mit Leid, Krankheit und den letzten Dingen auseinander.
Wir legen in der Liebe uns selbst und anderen gegenüber zu, schenken mehr als bisher dem inneren Menschen, dem, was uns wirklich trägt, und dem spirituellen Bereich unsere Aufmerksamkeit. Wir lernen wieder zu staunen, vergessen nicht zu danken und tun, was uns möglich ist, um auch in der letzten Etappe unseres Lebens Lust und Freude am Leben zu erfahren.

Eintritt frei.

Foto: Ilse Müller